Welche Effektstärke gehört zu welchem Verfahren?
Dass Effektstärken in den Ergebnisteil gehören, ist inzwischen allen klar. Welche zu welchem Test gehört, weniger. Deshalb hier die Zuordnung auf einen Blick.
Die Tabelle
Verfahren | Effektstärke | Format |
t-Test, unabhängig | Cohens d oder Hedges' g | d = 0.52 |
t-Test, abhängig | Cohens dz | dz = 0.41 |
Einfaktorielle ANOVA | η² oder partielles η² | η² = .09 |
Mehrfaktorielle ANOVA | partielles η² | η²p = .12 |
Korrelation | r selbst | r = .34 |
Multiple Regression | R², f² | R² = .21 |
Chi-Quadrat, 2×2 | φ | φ = .18 |
Chi-Quadrat, größer | Cramérs V | V = .22 |
Mann-Whitney-U | r aus z | r = .28 |
Logistische Regression | Odds Ratio | OR = 1,84 |
Hedges' g ist die für kleine Stichproben korrigierte Fassung von d. Unter etwa 20 Personen pro Gruppe ist sie die bessere Wahl, darüber unterscheiden sich beide kaum.

Die Grenzwerte – und warum sie mit Vorsicht zu
genießen sind
Die verbreiteten Konventionen nach Cohen:
klein | mittel | groß | |
d | 0.20 | 0.50 | 0.80 |
r | .10 | .30 | .50 |
η² | .01 | .06 | .14 |
φ / V | .10 | .30 | .50 |
Cohen selbst hat diese Werte als grobe Orientierung für Felder eingeführt, in denen es keine besseren Anhaltspunkte gibt. Sie sind keine Bewertungsmaßstäbe.
Praktisch heißt das: Ein d von 0.30 kann in der Grundlagenforschung unspektakulär und in einer Interventionsstudie mit geringem Aufwand hochrelevant sein. Wenn es in deinem Feld vergleichbare Studien gibt, ordne deinen Effekt an denen ein, nicht an Cohen.
Konfidenzintervalle nicht vergessen
APA 7 empfiehlt zu Effektstärken ein Konfidenzintervall. Der Grund ist derselbe wie überall: Ein Punktschätzer ohne Streuungsangabe suggeriert eine Genauigkeit, die nicht da ist.
d = 0.52, 95 % CI [0.13, 0.91]
Dieses Intervall sagt dir, dass der Effekt vermutlich existiert, seine Größe aber zwischen klein und groß offen ist. Das ist eine ehrlichere Aussage als „mittlerer Effekt gefunden".
SPSS gibt Konfidenzintervalle für d seit Version 27 direkt aus. In JASP und R sind sie ohnehin Standard.
Zwei Fehler, die häufig vorkommen
Effektstärke als Ersatz für Signifikanz. Beide beantworten verschiedene Fragen. Der p-Wert sagt, ob der Effekt von null unterscheidbar ist; die Effektstärke sagt, wie groß er ist. Berichte beides.
Vorzeichen weggelassen. Ein negatives d bedeutet, dass die Richtung umgekehrt zur erwarteten ist. Wer das Vorzeichen unterschlägt, verändert die Aussage.
Zum Formalen: η² ist griechisch und wird deshalb nicht kursiv gesetzt, d und r schon. Und r bekommt keine führende Null, d dagegen schon. Warum das so ist, steht in Die 12 häufigsten APA-7-Fehler im Ergebnisteil.
Und wenn die Effektstärke klein ausfällt?
Dann berichtest du sie. Ein kleiner Effekt ist ein Ergebnis, keine Panne – wie du das formulierst, steht in Ergebnisse nicht signifikant.
Ergebnisteil prüfen lassen
Ob die Effektstärke zum Verfahren passt, ob das Vorzeichen stimmt und ob die Kennwerte im Text mit denen in den Tabellen übereinstimmen – das prüfen wir im statistischen Lektorat



