SPSS, R, G*Power und Cohen (1988) zitieren: Software und Methodenquellen nach APA 7
Die Ergebnisse stehen, der Methodenteil ist fast fertig und dann taucht die Frage auf, wie man eigentlich SPSS zitiert, ob R ins Literaturverzeichnis gehört und woher die Grenzwerte für einen „mittleren Effekt“ stammen. Solche Angaben wirken nebensächlich, fallen bei der Begutachtung aber schnell auf und gehören zu den typischen APA-7-Fehlern im Ergebnisteil.
Warum gehören Software und Methodenquellen in deine Arbeit?
Statistische Ergebnisse sollen nachvollziehbar sein. Verschiedene Programme und selbst verschiedene Versionen desselben Programms können bei manchen Verfahren leicht abweichende Werte liefern, etwa weil Standardeinstellungen oder Korrekturen anders gesetzt sind. Deshalb gehört in den Methodenteil, mit welcher Software und welcher Version du gerechnet hast.
Ob und wie Software zitiert wird, hängt von Hochschule und Betreuung ab. Programme wie Word oder Excel tauchen im Literaturverzeichnis üblicherweise nicht auf. Bei spezialisierter Software wie SPSS, R oder G*Power ist ein Eintrag verbreitet. Wer sie zitiert, ist auf der sicheren Seite. Die Versionsnummer gehört aber in jedem Fall in den Text. Dasselbe Prinzip gilt für Methodenquellen. Sobald du dich auf Grenzwerte, Faustregeln oder ein bestimmtes Verfahren stützt, braucht diese Entscheidung eine Referenz.
Welche Quelle gehört wohin?
Die Tabelle 1 zeigt die vier Angaben, die in empirischen Abschlussarbeiten regelmäßig gebraucht werden.
Quelle | Wann zitieren | Wo im Text |
SPSS | wenn du die Analysen damit gerechnet hast | Methodenteil, Abschnitt Datenauswertung, mit Version |
R und zentrale Pakete | wenn du die Analysen damit gerechnet hast | Methodenteil, Abschnitt Datenauswertung, mit Version |
G*Power (Faul et al., 2007) | bei jeder Poweranalyse zur Stichprobenplanung | Methodenteil, Abschnitt Stichprobe |
Cohen (1988) | wenn du Effekte als klein, mittel oder groß einordnest | Ergebnis- oder Diskussionsteil, bei der Einordnung |
Wie sehen die Einträge im Literaturverzeichnis aus?
Die Versionsnummern und Jahreszahlen in den folgenden Beispielen sind Platzhalter. Passe sie an die Version an, mit der du tatsächlich gearbeitet hast.
Bei SPSS ist IBM zugleich Autor und Verlag. Nach APA 7 entfällt der Verlag in diesem Fall, weil er sonst doppelt genannt würde. Jahr und Version findest du in SPSS im Hilfe-Menü.
IBM Corp. (2022). IBM SPSS Statistics for Windows (Version 29.0) [Computer software].
Für R liefert das Programm die Zitation selbst. Mit citation() in der Konsole erhältst du die aktuelle Angabe, mit citation("paketname") die Quelle eines Pakets. Pakete, mit denen du zentrale Analysen gerechnet hast, gehören ebenfalls ins Verzeichnis. RStudio ist die Arbeitsumgebung und wird meist nicht zitiert, weil die Berechnungen in R stattfinden. Wie beides zusammenspielt, erklärt die Einführung in RStudio.
R Core Team. (2024). R: A language and environment for statistical computing (Version 4.4.1) [Computer software]. R Foundation for Statistical Computing. https://www.R-project.org/
Bei G*Power zitierst du nicht das Programm, sondern den Fachartikel, in dem es beschrieben ist. Für Poweranalysen zu Korrelationen und Regressionen bitten die Entwickler zusätzlich um den Artikel von 2009. Die Programmversion, etwa 3.1.9.7, nennst du im Text. Was zu einer vollständigen Poweranalyse gehört, steht im Beitrag Stichprobengröße mit G*Power berechnen.
Faul, F., Erdfelder, E., Lang, A.-G., & Buchner, A. (2007). G*Power 3: A flexible statistical power analysis program for the social, behavioral, and biomedical sciences. Behavior Research Methods, 39(2), 175-191. https://doi.org/10.3758/BF03193146
Faul, F., Erdfelder, E., Buchner, A., & Lang, A.-G. (2009). Statistical power analyses using G*Power 3.1: Tests for correlation and regression analyses. Behavior Research Methods, 41(4), 1149-1160. https://doi.org/10.3758/BRM.41.4.1149
Wenn du Methoden- und Ergebnisteil vor der Abgabe prüfen lassen möchtest, sehen wir uns im statistischen Lektorat auch Softwareangaben, Methodenquellen und Literaturverzeichnis nach APA 7 an.
Sobald du Effekte als klein, mittel oder groß einordnest, brauchst du eine Quelle für diese Grenzwerte. In den meisten Fällen ist das Cohen (1988). Welche Grenzwerte für welches Maß gelten und warum sie nur eine grobe Orientierung sind, zeigt der Beitrag Welche Effektstärke gehört zu welchem Verfahren?
Cohen, J. (1988). Statistical power analysis for the behavioral sciences (2nd ed.). Lawrence Erlbaum Associates.
Wie berichtest du Software und Quellen im Methodenteil?
Im Text reicht meist ein Satz im Abschnitt zur Datenauswertung. Für SPSS könnte er so lauten:
Die Datenauswertung erfolgte mit IBM SPSS Statistics, Version 29.0 (IBM Corp., 2022).
Bei der Stichprobenplanung gehören Programm und Version, das Testverfahren, die erwartete Effektstärke mit ihrer Begründung, α, die angestrebte Power und die Testrichtung in den Text. Fehlt einer dieser Eingabewerte, lässt sich die berechnete Stichprobengröße nicht nachvollziehen. Gerade die Begründung der erwarteten Effektstärke wird in Gutachten häufig hinterfragt.
Wer die Analysen in SPSS mit Syntax dokumentiert, kann Version und Einstellungen später leicht nachvollziehen. Wie das geht, beschreibt der Beitrag Arbeiten mit SPSS.
Welche Fehler kommen bei Softwareangaben häufig vor?
Die folgenden Fehler tauchen in Abschlussarbeiten immer wieder auf.
Die Versionsnummer fehlt. Der Satz „Die Daten wurden mit SPSS ausgewertet“ reicht nicht, weil gerade die Version für die Nachvollziehbarkeit wichtig ist.
Die Software steht nur im Text. Wer im Text eine Quelle nennt, braucht auch den passenden Eintrag im Literaturverzeichnis.
G*Power wird als Programm zitiert. Die Entwickler bitten ausdrücklich darum, die beschreibenden Artikel anzugeben.
Grenzwerte stehen ohne Quelle. Einordnungen wie „mittlerer Effekt“ oder „gute Reliabilität“ brauchen eine Referenz.
Cohen (1988) wird aus zweiter Hand übernommen. Dabei wandern falsche Verlage oder Auflagen von Arbeit zu Arbeit. Sicherer ist es, die Ausgabe zu zitieren, die dir tatsächlich vorliegt.
Häufige Fragen zum Zitieren von Statistiksoftware
Muss ich Excel zitieren, wenn ich dort Daten aufbereitet habe?
In der Regel nicht. Programme wie Excel werden üblicherweise nicht ins Literaturverzeichnis aufgenommen. Letztlich hängt das aber von Hochschule und Betreuung ab. Hast du allerdings Teile der Analyse in Excel gerechnet, solltest du das im Methodenteil erwähnen.
Wie zitiere ich JASP oder jamovi?
Nach demselben Prinzip wie SPSS und R. Autor ist das jeweilige Entwicklungsteam, dazu kommen Jahr, Titel, Version und der Zusatz [Computer software]. Beide Programme nennen auf ihrer Website eine empfohlene Zitation, an der du dich orientieren kannst.
Muss ich das PROCESS-Makro zitieren?
Ja. Für PROCESS zitierst du das Buch von Hayes in der Auflage, mit der du gearbeitet hast. Die Version des Makros nennst du im Text. Hintergründe zu den Modellen stehen im Beitrag PROCESS nach Hayes.
Was gilt, wenn mein Institut eine andere Zitierweise vorgibt?
Dann haben die Vorgaben deines Instituts Vorrang. Die Inhalte bleiben gleich, nur Reihenfolge und Formatierung der Angaben ändern sich.
Was kostet es, Methoden- und Ergebnisteil prüfen zu lassen?
Das hängt vom Umfang deines Methoden- und Ergebnisteils ab, also davon, wie viele Verfahren, Tabellen und Quellen geprüft werden. Eine Übersicht mit typischen Stundenzahlen findest du im Beitrag Was kostet eine statistische Auswertung?
Methoden- und Ergebnisteil prüfen lassen Im statistischen Lektorat prüfen wir Softwareangaben, Methodenquellen und die Ergebnisdarstellung nach APA 7 und zeigen dir, wo etwas fehlt. Steht die Auswertung noch aus, übernehmen wir sie vollständig, inklusive Abschlussgespräch, in dem wir die Ergebnisse so durchgehen, dass du sie selbst erklären kannst.



