p-Wert richtig interpretieren und nach APA 7 angeben
Dein SPSS-Output zeigt in der Spalte zur Signifikanz den Wert .000 und du fragst dich, ob du das so übernehmen darfst und was die Zahl eigentlich bedeutet. Der p-Wert steht in fast jedem Ergebnisteil und wird trotzdem besonders oft falsch beschrieben. Das liegt selten an der Rechnung, sondern meist an der Deutung und an der Schreibweise nach APA 7.
Was sagt der p-Wert eigentlich aus?
Der p-Wert ist die Wahrscheinlichkeit, unter der Annahme der Nullhypothese ein Ergebnis zu erhalten, das mindestens so extrem ist wie das beobachtete. Er beschreibt also, wie gut deine Daten zu einer Situation passen, in der es keinen Effekt gibt. Ist diese Wahrscheinlichkeit kleiner als das vorab festgelegte Signifikanzniveau α, meist .05, wird die Nullhypothese verworfen.
So könnte das mit erfundenen Werten aussehen. Zwei Gruppen mit je 25 Personen werden mit einem t-Test für unabhängige Stichproben verglichen, das Ergebnis lautet t(48) = 2.12, p = .039. Gäbe es in der Population keinen Unterschied, würde man einen so großen oder noch größeren t-Wert nur in etwa 4 von 100 Stichproben erwarten. Mehr sagt der Wert nicht aus. Er verrät weder, wie groß der Unterschied ist, noch wie wahrscheinlich deine Hypothese zutrifft.
Welche Fehldeutungen kommen besonders oft vor?
Die folgenden Deutungen tauchen in Abschlussarbeiten regelmäßig auf und werden in der Verteidigung gern hinterfragt.
Der p-Wert ist nicht die Wahrscheinlichkeit, dass die Nullhypothese stimmt. Ein p = .039 bedeutet nicht, dass die Nullhypothese mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa vier Prozent wahr ist. Der Wert wurde unter der Annahme berechnet, dass sie gilt. Er kann deshalb nichts über ihre eigene Wahrscheinlichkeit aussagen.
Ein kleiner p-Wert zeigt keinen großen Effekt. Bei großen Stichproben werden auch sehr kleine Unterschiede signifikant, bei kleinen Stichproben bleiben deutliche Effekte manchmal über der Schwelle. Deshalb verlangt APA 7 zusätzlich eine Effektstärke. Welche Effektstärke zu welchem Verfahren gehört, erklären wir gesondert.
Hoch signifikant ist keine Steigerung. Signifikanz ist eine Entscheidung anhand von α. Ein p = .001 ist nicht signifikanter als ein p = .030. Ein p = .060 ist auch nicht „marginal signifikant“, sondern liegt über der Schwelle.
Ein signifikantes Ergebnis beweist deine Hypothese nicht. Es spricht gegen die Nullhypothese, mehr nicht. Angemessen sind Formulierungen wie „Die Ergebnisse stützen die Hypothese“.
Ein nicht signifikantes Ergebnis bedeutet nicht, dass es keinen Effekt gibt. Es konnte lediglich kein Effekt nachgewiesen werden, etwa weil die Stichprobe zu klein war. Was nicht signifikante Ergebnisse bedeuten und wie du damit weiterarbeitest, beschreiben wir in einem eigenen Beitrag.
Du möchtest sicher sein, dass p-Werte, Effektstärken und Formulierungen in deinem Ergebnisteil stimmen? Im statistischen Lektorat prüfen wir deine Ergebnisdarstellung auf APA 7 und auf eine fachlich haltbare Interpretation.
Wie gibst du den p-Wert nach APA 7 an?
Die formalen Regeln sind überschaubar. Das p steht kursiv und die führende Null entfällt, weil ein p-Wert nicht größer als 1 werden kann. Angegeben wird der exakte Wert mit drei Nachkommastellen. Das gilt auch für nicht signifikante Ergebnisse. Nur Werte unter .001 werden als p < .001 berichtet, denn ein p-Wert ist nie genau null, auch wenn SPSS .000 anzeigt. Die Tabelle 1 zeigt typische Schreibweisen im Vergleich.
Falsch | Richtig | Warum |
p = .000 | p < .001 | Ein p-Wert ist nie genau null. |
p = 0.039 | p = .039 | Werte, die nicht größer als 1 werden können, stehen ohne führende Null. |
P = .039 | p = .039 | Das Symbol wird klein und kursiv geschrieben. |
p < .05 | p = .039 | APA 7 verlangt den exakten Wert. |
n. s. | p = .184 | Auch nicht signifikante Ergebnisse bekommen einen exakten Wert. |
p = .03 | p = .030 | Bei drei Nachkommastellen wird die Endnull mitgeschrieben. |
Der p-Wert steht nie allein. Zu einem vollständigen Bericht gehören die Mittelwerte und Standardabweichungen der verglichenen Gruppen, die Teststatistik mit ihren Freiheitsgraden, der exakte p-Wert und eine Effektstärke. Welche Effektstärke passt, wie die Richtung des Unterschieds sprachlich eindeutig wird und in welcher Reihenfolge die Angaben stehen, unterscheidet sich je nach Verfahren. Genau an diesen Stellen entstehen in Ergebnisteilen die meisten Ungenauigkeiten.
Das Konfidenzintervall der Mittelwertdifferenz, im Beispiel von oben 95 %-KI [0.16, 5.64], zeigt zusätzlich, wie präzise der Effekt geschätzt ist. Wie du es formal korrekt angibst, steht im Beitrag zum Konfidenzintervall nach APA. Formfehler, die über den p-Wert hinausgehen, findest du in Die 12 häufigsten APA-7-Fehler im Ergebnisteil.
Was gilt bei einseitigen Tests und vielen Vergleichen?
SPSS gibt standardmäßig den zweiseitigen p-Wert aus, neuere Versionen zeigen beim t-Test beide Varianten nebeneinander. Einseitig testen darfst du nur, wenn du vorab eine gerichtete Hypothese formuliert hast und das im Methodenteil begründest. Bei t(48) = 1.84 liegt der zweiseitige Wert bei p = .072, der einseitige bei p = .036. Wer erst nach dem Blick auf das Ergebnis auf einseitig wechselt, verdoppelt faktisch die Irrtumswahrscheinlichkeit.
Ähnlich verhält es sich mit vielen Tests zur selben Fragestellung. Bei 20 unabhängigen Tests auf dem 5-%-Niveau ist im Mittel ein signifikantes Ergebnis zu erwarten, auch wenn es keinen einzigen echten Effekt gibt. Eine Korrektur für multiples Testen hält diese Fehlerrate in Grenzen. Bei der Bonferroni-Korrektur wird α durch die Zahl der Tests geteilt, bei fünf Tests liegt die Schwelle also bei .01. Das Verfahren nach Bonferroni-Holm ist etwas weniger streng.
Häufige Fragen zum p-Wert
Schreibe ich p < .05 oder den exakten Wert?
Im Text gibst du den exakten Wert an, zum Beispiel p = .039. Nur unterhalb von .001 schreibst du p < .001. Sammelangaben mit Sternchen kommen allenfalls in Tabellen vor und werden dann in der Anmerkung erläutert. Wie solche Tabellen aufgebaut sind, zeigt der Beitrag APA-Tabellen erstellen.
Zwei oder drei Nachkommastellen?
APA 7 erlaubt beides. Drei Nachkommastellen sind bei p-Werten verbreitet und vermeiden Missverständnisse in der Nähe von .05. Entscheidend ist, dass du innerhalb der gesamten Arbeit einheitlich bleibst.
Was mache ich mit p = .050?
Bei α = .05 gilt ein Ergebnis in der Regel nur dann als signifikant, wenn p kleiner als .05 ist. Ein berichteter Wert von .050 ist damit nicht signifikant. Maßgeblich ist die Entscheidungsregel, die du im Methodenteil festgelegt hast. Den Wert berichtest du so, wie er ist.
Muss ich das Signifikanzniveau angeben?
Ja. In den Methodenteil gehört ein Satz dazu, welches α du verwendest, ob ein- oder zweiseitig getestet wird und ob du für multiples Testen korrigierst. So können Leserinnen und Leser jede Entscheidung im Ergebnisteil nachvollziehen.
Was kostet es, den Ergebnisteil prüfen zu lassen?
Das hängt vom Umfang deines Ergebnisteils ab, also davon, wie viele Verfahren und Tabellen geprüft werden. Eine Übersicht mit typischen Stundenzahlen findest du im Beitrag Was kostet eine statistische Auswertung?
Ergebnisteil prüfen lassen Im statistischen Lektorat prüfen wir p-Werte, Effektstärken und Formulierungen deines Ergebnisteils nach APA 7 und auf eine haltbare Interpretation. Wenn du deine Ausgabe lieber selbst verstehen möchtest, gehen wir sie im 1:1-Coaching gemeinsam durch, bis du sie selbst sicher berichten kannst.



