top of page

Unterstützen erlaubt, ersetzen nicht, was neue KI-Regeln von LMU, FU Berlin und Bamberg für deine Auswertung heißen

vor 2 Tagen
4 Min. Lesezeit

Am 19.10.2026 hat die Fakultät für Psychologie und Pädagogik der LMU München eine neue Fassung ihrer KI-Leitlinien veröffentlicht, die zulässige unterstützende von unzulässiger ersetzender Nutzung trennt. Die Statistik liegt genau in der Grauzone dazwischen. Wie du ein Ergebnis prüfst, das eine KI gerechnet hat, beschreibt unser Artikel zum Prüfen von KI-Auswertungen, hier geht es um die Regeln davor.


Was drei Hochschulen zur Datenauswertung sagen

Eine bundesweite Regel gibt es nicht. Maßgeblich sind die Prüfungsordnung und die Vorgaben deines Instituts. Drei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich konkret die Regeln für die Datenauswertung ausfallen. Die Tabelle 1 fasst sie zusammen.


Hochschule

Erlaubt

Nicht erlaubt

Angabe

LMU München, Psychologie und Pädagogik

unterstützende Nutzung, KI-Code wird geprüft und eigenständig bearbeitet

ersetzende Nutzung, die die eigene Denkleistung übernimmt

Eigenständigkeitserklärung nach den KI-Leitlinien

FU Berlin, Erziehungswissenschaft und Psychologie

Hilfe beim Erstellen von Skripten und Code, Informationen zu Methoden

vollständige KI-basierte Datenauswertung, Eingabe von Daten in KI-Werkzeuge

Hilfsmittelverzeichnis mit Anbieter, Modell, Zweck und betroffenen Stellen

Universität Bamberg, Lehrstuhl für Statistik und Ökonometrie

Unterstützung bei Programmierung und Datenanalyse

personenbezogene oder vertrauliche Daten in öffentlichen KI-Systemen

Erklärung zur Nutzung mit Werkzeugen und Arbeitsschritten


Die Einzelheiten stehen in den Leitlinien der LMU, im Leitfaden der FU Berlin vom Dezember 2025 und in der Leitlinie des Bamberger Lehrstuhls. Sie gelten jeweils nur dort, zeigen aber, in welche Richtung sich die Regeln entwickeln. Dieser Artikel ersetzt keine Auskunft deines Prüfungsamts.


Darf ich KI bei der statistischen Auswertung nutzen?

An vielen Hochschulen ja, als Unterstützung und mit Angabe. Die Verantwortung für Testwahl, Durchführung und Deutung bleibt dabei bei dir. An der LMU bestätigen Studierende in der Eigenständigkeitserklärung, dass sie KI-generierten Analyse-Code überprüft haben und ihre Arbeit ohne Rückgriff auf KI erklären und verteidigen können. Was an deiner Hochschule gilt, steht in der Prüfungsordnung oder in den Vorgaben deines Instituts.


Drei Beispiele aus der Auswertung

Die folgenden Fälle sind erfunden. Ihre Einordnung folgt den belegten Regeln der drei Hochschulen:

  • Eine Fehlermeldung erklären lassen. R meldet, dass ein Objekt nicht gefunden wird. Du lässt dir die Ursache erklären und behebst den Fehler selbst. Das ist Unterstützung beim Programmieren, wie sie FU Berlin und Bamberg ausdrücklich nennen.

  • Syntax schreiben lassen. Du beschreibst dein Modell und die KI schreibt den R-Code für eine Regression. Die FU Berlin zählt das Erstellen von Skripten zur zulässigen Unterstützung, wenn du es angibst. An der LMU musst du den Code prüfen und eigenständig bearbeiten können.

  • Testwahl und Deutung übernehmen lassen. Du lädst deinen Datensatz hoch und lässt die KI entscheiden, welcher Test passt und was das Ergebnis bedeutet. Hier ersetzt die KI die eigene Denkleistung. Die FU Berlin schließt eine vollständige KI-basierte Auswertung aus und erlaubt die Eingabe von Daten nur im Einzelfall nach Prüfung von Datenschutz, Urheberrecht und Ethik.


In allen drei Fällen bleiben dieselben Fragen. Passt das Verfahren zu Hypothese und Daten? Stimmen die Kennwerte im Text mit der Ausgabe überein? Wer den Code nicht versteht, kann ihn im Kolloquium nicht verteidigen. Für viele Meldungen aus dem ersten Beispiel hilft auch unser Überblick zu Fehlermeldungen in R.


Wer KI beim Rechnen genutzt hat, kann die Auswertung vor der Abgabe prüfen lassen, wir prüfen dabei Verfahren, Kennwerte und APA-7-Darstellung fachlich.

Wo die Grenze in der Software verschwimmt

Zwei Neuerungen machen die Unterscheidung schwieriger. In Positron, dem Editor von Posit, können Programmier-Agenten seit der Version vom Oktober 2026 über eine eingebaute Schnittstelle direkt in der laufenden R-Sitzung arbeiten. Code, den ein Agent ausführt, erscheint mit dessen Namen in der Konsole, so steht es in den Versionshinweisen.


JASP bietet seit Version 0.98 eine optionale KI-Unterstützung, die Analysen kommentieren, Ergebnisse interpretieren und alternative Analysen durchführen kann (Ankündigung von JASP). Sie muss in den Einstellungen eingeschaltet werden. Wer sie nutzt, sollte genau festhalten, welche Schritte die KI übernommen hat.


Was du dokumentieren solltest

Die Anforderungen unterscheiden sich, ein gemeinsamer Kern ist aber erkennbar. Du nennst Werkzeug und, falls vorhanden, Modell oder Version, den Zweck der Nutzung und die betroffenen Stellen der Arbeit. Im Methodenteil beschreibst du außerdem, mit welcher Software du gerechnet hast. Wie du sie nach APA 7 angibst, steht in unserem Artikel zum Zitieren von Software.


Ein Detektor entscheidet übrigens nicht allein darüber, ob jemand getäuscht hat. Warum ein hoher Wert wenig beweist, erklärt unser Artikel zum KI-Detektor.


Was Studierende zu KI in der Auswertung oft fragen

Das regeln Hochschulen unterschiedlich. Die FU Berlin verlangt ein Hilfsmittelverzeichnis für genutzte KI-Werkzeuge mit ihrem Verwendungszweck. Wer jede Nutzung angibt, ist auf der sicheren Seite.

Nach dem Leitfaden der FU Berlin ist die Eingabe von Daten in KI-Werkzeuge grundsätzlich nicht zulässig. Der Bamberger Lehrstuhl untersagt personenbezogene und vertrauliche Daten in öffentlichen KI-Systemen. Bei Befragungsdaten berührt das außerdem die Einwilligung deiner Teilnehmenden.

Das hängt vom Umfang deines Ergebnisteils und der Zahl der Verfahren ab. Wie wir abrechnen und was den Aufwand bestimmt, findest du unter Preise.

Die Verantwortung bleibt bei dir als Person, die die Arbeit abgibt. Typisch sind falsche Freiheitsgrade oder vertauschte Kennwerte. Wie du ein solches Ergebnis in fünf Schritten prüfst, zeigt unser Artikel ChatGPT hat deine Statistik gerechnet.

Nein. Er fasst öffentlich zugängliche Leitlinien von drei Hochschulen zusammen. Verbindlich sind deine Prüfungsordnung und die Auskunft deines Prüfungsamts oder deiner Betreuung.


Bevor du abgibst Wenn du KI beim Rechnen genutzt hast, prüfen wir im Auswertungs-Check, ob Verfahren und Kennwerte zusammenpassen. Willst du die Auswertung lieber selbst verstehen und verteidigen können, begleiten wir dich im Statistik-Coaching.


Statistik-Tipps per E-Mail

Wir schicken dir neue Blogartikel, verständliche Anleitungen zu SPSS oder R sowie Hinweise auf aktuelle Angebote. Abmelden kannst du dich jederzeit mit einem Klick.

bottom of page