Welche Statistik gehört in den Methodenteil? Fünf Bausteine mit Beispielabsatz
Der Methodenteil soll eine einzige Frage beantworten. Könnte jemand anderes deine Auswertung mit deinen Angaben nachvollziehen und wiederholen? Für den statistischen Teil heißt das, dass jede Entscheidung, die du bei der Auswertung getroffen hast, im Text auftaucht.
In der Praxis fehlen oft gerade die Angaben, nach denen Gutachter fragen. Die folgenden fünf Bausteine helfen dir, nichts zu vergessen. Was danach in den Ergebnisteil gehört, zeigt die Übersicht Ergebnisse nach APA 7 berichten.
Die fünf Bausteine des statistischen Teils
1. Design
Beschreibe in einem Satz, wie die Studie aufgebaut ist. Querschnitt oder Längsschnitt, Experiment oder Befragung, welche Gruppen und welche Messzeitpunkte. Die Frage des Gutachters lautet hier, ob das Verfahren zum Design passt.
2. Stichprobe und Fallzahl
Nenne, wie viele Personen teilgenommen haben, wie viele ausgeschlossen wurden und warum. Wenn du die Fallzahl vorab geplant hast, gehören die Annahmen dazu. Die Frage des Gutachters lautet, ob die Stichprobe groß genug war, um den erwarteten Effekt zu finden. Wie die Planung geht, zeigt der Beitrag G*Power: Stichprobengröße berechnen.
3. Instrumente und Reliabilität
Für jede Skala nennst du Quelle, Zahl der Items, Antwortformat und die Reliabilität in deiner Stichprobe. Die Frage des Gutachters lautet, ob die Skala in deiner Stichprobe zuverlässig gemessen hat. Mehr dazu steht in den Beiträgen zu Cronbachs Alpha und zu McDonalds Omega.
4. Datenaufbereitung
Hierher gehören der Umgang mit fehlenden Werten, mit Ausreißern und mit umgepolten Items. Die Frage des Gutachters lautet, ob die Entscheidungen vor der Auswertung getroffen wurden oder erst, als die Ergebnisse bekannt waren. Was erlaubt ist, steht im Beitrag Fehlende Werte und Ausreißer.
5. Statistisches Vorgehen
Nenne für jede Hypothese das Verfahren, das Signifikanzniveau und ob einseitig oder zweiseitig getestet wurde. Beschreibe kurz, wie du die Voraussetzungen geprüft hast und was du bei Verletzungen getan hast. Die Frage des Gutachters lautet, warum genau dieses Verfahren gewählt wurde. Eine Hilfe zur Auswahl bietet der Beitrag Welcher statistische Test passt?.
Zum statistischen Vorgehen gehört auch die Software. Nenne Programm und Version, etwa IBM SPSS Statistics 31, R 4.6.1 mit den verwendeten Paketen oder JASP 0.98. Wie Software nach APA 7 zitiert wird, steht im Beitrag Software zitieren nach APA 7.
Die Tabelle 1 fasst die fünf Bausteine mit der jeweiligen Rückfrage zusammen.
Baustein | Was hineingehört | Typische Rückfrage |
Design | Aufbau, Gruppen, Messzeitpunkte | Passt das Verfahren zum Design? |
Stichprobe | Fallzahl, Ausschlüsse mit Grund, Fallzahlplanung | War die Stichprobe groß genug? |
Instrumente | Quelle, Itemzahl, Antwortformat, Reliabilität | Misst die Skala in deiner Stichprobe zuverlässig? |
Datenaufbereitung | Fehlende Werte, Ausreißer, umgepolte Items | Wurde vor der Auswertung entschieden? |
Statistisches Vorgehen | Verfahren, Signifikanzniveau, Voraussetzungen, Software | Warum genau dieses Verfahren? |
Ein Beispielabsatz
Die Datenanalyse erfolgte mit IBM SPSS Statistics (Version 31). Die erforderliche Stichprobengröße wurde a priori mit G*Power 3.1.9.7 bestimmt. Für einen t-Test für unabhängige Stichproben ergab sich bei einem erwarteten Effekt von d = 0.50, α = .05 (zweiseitig) und einer Teststärke von .80 ein Bedarf von 128 Personen. Von 141 Teilnehmenden wurden sieben ausgeschlossen, weil mehr als 20 % der Antworten fehlten. Die Skala zur Arbeitszufriedenheit wies in der Stichprobe eine gute interne Konsistenz auf (α = .86). Die Normalverteilung der Werte innerhalb der Gruppen wurde anhand von Q-Q-Diagrammen geprüft, die Varianzhomogenität mit dem Levene-Test. Da die Varianzen ungleich waren, wurde der Welch-Test berichtet.
Vor diesem Absatz liegen Entscheidungen, die man ihm nicht ansieht. Welcher Effekt für die Fallzahl plausibel war, ab wann fehlende Werte zum Ausschluss führen und wie mit Ausreißern umgegangen wird, muss für jede Arbeit einzeln begründet werden. Ob dein Methodenteil diese Entscheidungen vollständig und nachvollziehbar abbildet, prüfen wir im statistischen Lektorat. Methodenteil prüfen lassen.
Und die KI-Nutzung?
Wo und wie du die Nutzung von KI-Werkzeugen angibst, ist derzeit nicht einheitlich geregelt. Manche Hochschulen verlangen ein eigenes Verzeichnis am Ende der Arbeit, in dem du Werkzeug, Prompts und die Stellen der Nutzung aufführst. Andere verlangen nur eine Erklärung oder gar keine Angabe. Die Uni Erfurt etwa hat zum Wintersemester 2026/27 eine neue KI-Freigabeerklärung eingeführt, mit der Lehrende je Prüfung festlegen, was erlaubt ist (Uni Erfurt). Ein Leitfaden der FH Wedel nennt als Angaben das Werkzeug mit Version, den Zweck und die Stelle in der Arbeit (FH Wedel).
Wenn deine Hochschule ein solches Verzeichnis verlangt, halte die Angaben schon während der Arbeit fest.
Welches Werkzeug in welcher Version genutzt wurde.
Welche Prompts du verwendet hast und wofür, etwa für Syntax, Code oder die Suche nach Fehlern.
Wie du die Ergebnisse selbst geprüft hast.
Was in deinem Fall gilt, regeln die Vorgaben deiner Hochschule und deiner Prüfung. Klär das früh mit deiner Betreuung.
Fünf Lücken, die bei Prüfungen häufig auffallen
Die Fallzahl wird genannt, aber nicht begründet.
Ausgeschlossene Fälle tauchen nur in der Zahl auf, nicht mit Grund.
Die Reliabilität wird aus der Originalstudie übernommen, statt sie in der eigenen Stichprobe zu berechnen.
Die Voraussetzungen werden als „erfüllt“ bezeichnet, ohne zu sagen, wie geprüft wurde.
Die Softwareversion fehlt, obwohl sich Ergebnisse zwischen Versionen unterscheiden können.
Was Studierende zum Methodenteil oft fragen
Wie lang sollte der statistische Teil im Methodenteil sein?
In einer Bachelorarbeit genügen meist eine halbe bis eine Seite. In einer Masterarbeit oder Dissertation ist es entsprechend mehr. Entscheidend ist nicht die Länge, sondern dass jede Entscheidung genannt und begründet wird.
Gehören die Ergebnisse der Voraussetzungsprüfung in den Methodenteil?
Das Vorgehen gehört in den Methodenteil, die einzelnen Kennwerte oft in den Anhang. Wie das genau aussehen soll, hängt von Hochschule und Betreuung ab. Wichtig ist vor allem, was du bei Verletzungen getan hast. Ein Beispiel dafür zeigt der Beitrag Levene-Test signifikant, was jetzt?.
Was kostet ein statistisches Lektorat des Methodenteils?
Ein Methodenteil ist meist schneller geprüft als eine komplette Auswertung. Den genauen Aufwand nennen wir dir vorab, nachdem wir einen Blick auf deine Arbeit geworfen haben. Wovon er abhängt, zeigt der Beitrag Was kostet eine statistische Auswertung.
Muss ich jede Analyse vorab festlegen?
Die Tests deiner Hypothesen solltest du vor der Auswertung festlegen. Zusätzliche Analysen sind möglich, wenn du sie im Text als explorativ kennzeichnest.
Muss ich die Statistiksoftware zitieren?
Ob die Software im Literaturverzeichnis stehen muss, hängt von Hochschule und Betreuung ab. Wer Programm und Version nennt und die Software zitiert, ist auf der sicheren Seite. Beispiele stehen im Beitrag Software zitieren nach APA 7.
Bevor die Gutachter fragen Schick uns deinen Methodenteil, bevor du abgibst. Im statistischen Lektorat lesen wir ihn mit den Augen eines Gutachters und markieren jede Stelle, an der eine Entscheidung fehlt oder nicht begründet ist. Die offenen Punkte klären wir danach gemeinsam im Abschlussgespräch.



