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Welcher t-Test passt? Einstichproben-, unabhängiger und abhängiger t-Test im Vergleich

15. Okt.
5 Min. Lesezeit

Du willst zwei Mittelwerte vergleichen und weißt, dass es auf einen t-Test hinausläuft. In SPSS stehen allerdings drei Varianten direkt untereinander im Menü. Ob du den Einstichproben-t-Test, den t-Test für unabhängige Stichproben oder den t-Test für abhängige Stichproben brauchst, entscheidet nicht die Software, sondern dein Untersuchungsdesign. Wenn du noch nicht sicher bist, ob ein t-Test überhaupt das passende Verfahren ist, hilft dir zuerst der Überblick Welcher statistische Test ist der richtige?


Woher stammen die Werte, die du vergleichen willst?

Die entscheidende Frage ist, womit du vergleichst. Du kannst eine Gruppe einem festen Wert gegenüberstellen, zwei verschiedene Gruppen von Personen vergleichen oder zwei Messungen derselben Personen. Die Tabelle 1 ordnet die typischen Situationen zu.


Deine Situation

Passender t-Test

Beispiel

Eine Gruppe wird mit einem festen Referenzwert verglichen

Einstichproben-t-Test

Liegt die Zufriedenheit über dem Skalenmittelpunkt 3?

Zwei Gruppen mit verschiedenen Personen

t-Test für unabhängige Stichproben

Unterscheiden sich Studierende aus Präsenz- und Onlinekursen in ihrer Lernmotivation?

Dieselben Personen zu zwei Zeitpunkten

t-Test für abhängige Stichproben

Ist das Stresserleben nach einem Training geringer als davor?

Zwei Personen, die einander fest zugeordnet sind

t-Test für abhängige Stichproben

Schätzen Mütter das Familienklima anders ein als ihre Kinder?

Mehr als zwei Gruppen oder Zeitpunkte

Kein t-Test, sondern eine Varianzanalyse

Vergleich von drei Lehrmethoden


Die vierte Zeile wird leicht übersehen. Abhängig sind Stichproben nicht nur bei einer Messwiederholung, sondern immer dann, wenn jeder Wert der einen Messreihe genau einem Wert der anderen zugeordnet ist. Das gilt etwa für Paare, Geschwister oder Mutter und Kind. Werden solche Daten wie zwei unabhängige Gruppen behandelt, geht die Information über die Paarung verloren. Der Test verliert dadurch an Teststärke und bildet das Design nicht korrekt ab.


Wann ist der Einstichproben-t-Test die richtige Wahl?

Er ist die seltenste der drei Varianten und taucht vor allem in Fragebogenstudien auf. Du vergleichst den Mittelwert deiner Stichprobe mit einem Wert, der nicht aus deinen Daten stammt, zum Beispiel mit dem neutralen Mittelpunkt einer Likert-Skala oder mit einem veröffentlichten Normwert. Dieser Referenzwert muss inhaltlich begründet sein und vor der Auswertung feststehen. Wird er erst nach einem Blick auf die Daten festgelegt, lässt sich das Ergebnis beliebig in eine Richtung lenken.


Zwei Gruppen oder zwei Messzeitpunkte?

Beim t-Test für unabhängige Stichproben stammen die Werte aus zwei getrennten Gruppen. Neben der Unabhängigkeit setzt er eine annähernde Normalverteilung in beiden Gruppen und ähnliche Varianzen voraus. Welche Prüfungen sinnvoll sind und wie streng du sie auslegen solltest, beschreibt der Beitrag Voraussetzungen des t-Tests prüfen. Sind die Varianzen ungleich, nutzt du die Welch-Korrektur, die SPSS in derselben Ausgabe mitliefert. Wie diese Ausgabe aufgebaut ist und welche Zeile du liest, zeigt der Leitfaden zum t-Test für unabhängige Stichproben in SPSS.


Du bist unsicher, ob deine Daten gepaart sind oder welcher Test zu deinem Design passt? Im Rahmen einer statistischen Auswertung klären wir die Testauswahl vorab mit dir und begründen sie so, dass du sie im Methodenteil vertreten kannst.

Beim t-Test für abhängige Stichproben wird nicht mit den Rohwerten gerechnet, sondern mit der Differenz der beiden Messungen jeder Person. Deshalb sollte die Verteilung dieser Differenzen annähernd normal sein und nicht die Verteilung der einzelnen Messzeitpunkte. Die Gleichheit der Varianzen spielt bei diesem Test keine Rolle. Voraussetzung ist aber, dass sich die Werte eindeutig einander zuordnen lassen, etwa über einen persönlichen Code. Für die Effektstärke gibt es mehrere Varianten von Cohens d, die zu unterschiedlichen Werten führen. Welche das sind und wie du sie angibst, erklärt der Beitrag t-Test für abhängige Stichproben nach APA berichten.


Wie berichtest du die drei Varianten nach APA 7?

Der Bericht folgt bei allen drei Varianten demselben Muster. Du nennst Mittelwerte und Standardabweichungen, den t-Wert mit den Freiheitsgraden in Klammern, den exakten p-Wert und eine Effektstärke. Der wesentliche Unterschied liegt in den Freiheitsgraden. Dazu kommen bei jeder Variante eigene Feinheiten, die im Bericht leicht untergehen.


Beim Einstichproben-t-Test gilt df = n − 1. Zusätzlich gehört der Referenzwert in den Bericht, gegen den du testest. Im Methodenteil begründest du, woher er stammt.


Beim t-Test für unabhängige Stichproben gilt df = n₁ + n₂ − 2. Mit je 30 Personen pro Gruppe ergibt sich etwa dieser Satz:

Studierende in Präsenzkursen (M = 3.86, SD = 0.71) berichteten eine höhere Lernmotivation als Studierende in Onlinekursen (M = 3.42, SD = 0.77), t(58) = 2.30, p = .025, d = 0.59.

Beim Welch-Test sind die Freiheitsgrade meist nicht ganzzahlig und werden mit zwei Nachkommastellen angegeben. Beim t-Test für abhängige Stichproben entspricht df der Zahl der Paare minus 1. Hier musst du außerdem angeben, welche Variante der Effektstärke du berechnet hast. Die gängigen Formeln führen bei denselben Daten oft zu unterschiedlichen Werten.


Im Methodenteil gibst du außerdem an, welche Variante du gerechnet hast, ob ein- oder zweiseitig getestet wurde und wie du die Voraussetzungen geprüft hast.


Was tun, wenn keiner der drei t-Tests passt?

Sind die Daten ordinalskaliert oder die Voraussetzungen bei kleinen Stichproben deutlich verletzt, kommen nichtparametrische Verfahren infrage. Für zwei unabhängige Gruppen ist das der Mann-Whitney-U-Test, für zwei abhängige Messungen der Wilcoxon-Vorzeichen-Rang-Test. Bei mehr als zwei Gruppen oder Messzeitpunkten führt der Weg zur Varianzanalyse. Wer stattdessen mehrere t-Tests nacheinander rechnet, erhöht damit die Wahrscheinlichkeit zufällig signifikanter Befunde und muss in Gutachten mit Kritik rechnen.


Häufige Fragen zur Wahl des t-Tests

Nur wenn dieselben Personen zu beiden Zeitpunkten teilgenommen haben und du ihre Werte einander zuordnen kannst. Fehlt ein gemeinsamer Code, etwa bei anonymen Befragungen, lassen sich die Messungen nicht paaren. Dann bleibt nur der Vergleich als unabhängige Gruppen, den du in der Diskussion als Einschränkung benennen solltest.

Dann reicht ein einzelner t-Test nicht mehr aus, weil du einen Gruppenfaktor und einen Zeitfaktor kombinierst. Üblich ist eine Mixed ANOVA, bei der vor allem die Interaktion von Gruppe und Zeit interessiert. Sie zeigt, ob sich die Veränderung in der Interventionsgruppe von der in der Kontrollgruppe unterscheidet.

Viele methodische Arbeiten empfehlen das inzwischen, weil der Welch-Test bei gleichen Varianzen kaum an Teststärke verliert und bei ungleichen Varianzen verlässlicher ist. Entscheidend ist, dass du deine Wahl im Methodenteil begründest. Mehr dazu findest du im Beitrag Welch-Test in SPSS.

Ja, wenn du vor der Datenerhebung eine gerichtete Hypothese formuliert hast. Das gehört in den Methodenteil. Ein nachträglicher Wechsel auf einseitig, weil das zweiseitige Ergebnis knapp nicht signifikant war, ist methodisch nicht zulässig.

Das hängt vom Umfang deiner Arbeit ab, also davon, wie viele Tests und weitere Verfahren dazukommen. Eine Übersicht mit typischen Stundenzahlen findest du im Beitrag Was kostet eine statistische Auswertung?


Den passenden t-Test rechnen und erklären lassen Wir übernehmen die Prüfung deines Designs, die Wahl der passenden Variante und die Ergebnisdarstellung nach APA 7 als Teil der statistischen Auswertung, inklusive Abschlussgespräch, in dem wir die Ergebnisse so durchgehen, dass du sie selbst erklären kannst.


 
 

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